20 Jahre Jüdische Geschichte an der LMU

20 Jahre Jüdische Geschichte an der LMU

Artikel von Jakob Wetzel, Süddeutsche Zeitung
Erschienen am 5. Juli 2017


Vor 20 Jahren wurde der Lehrstuhl als erster seiner Art in ganz Deutschland gegründet. Nicht nur der Holocaust wird dort erforscht, sondern das ganze Spektrum der Jahrtausende alten Kultur in Europa – vom Verhältnis zum Islam bis zum jüdischen Humor.

Es begann in einem kleinen Dachgeschoss im Lehel. Da saßen sie zusammen, Michael Brenner, frisch berufener Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), und seine ersten Studenten. Brenner hatte gerade den neuen Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur angetreten, den ersten seiner Art in Deutschland. Die Räume aber waren eine Zwischenlösung, nicht mehr: Das Historische Seminar gab es an der LMU damals noch nicht, die Historiker waren verstreut, arbeiteten unter anderem hier an der Wagmüllerstraße. Und auch Tische und Stühle hatte Brenner noch nicht, die Seminarteilnehmer hockten zunächst auf dem Fußboden. “Wir sind dann zu Ikea gefahren und haben erst einmal Möbel eingekauft”, erzählt Brenner. Ein paar weitere habe er aus dem Möbellager der Universität erhalten. So sei das gewesen. “Es war schon eine Aufbruchstimmung.”

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Wer forscht worüber?
Lilly Maier, Kindertransporte ins Exil

Als Lilly Maier elf Jahre alt war, da meldete sich ein älterer Herr bei ihrer Mutter. Er heiße Arthur Kern, sagte er. Als Kind habe er einmal in der Wohnung gelebt, in der die Maiers nun wohnten, aber dann hätten ihn seine Eltern vor den Nationalsozialisten in Sicherheit gebracht und mit einem Kindertransport nach Frankreich geschickt, von dort musste er später weiter in die USA. Er sei der einzige Überlebende,und er würde so gerne die Wohnung noch einmal sehen. Maiers Mutter lud den Mann ein. Und Lilly Maier ließ Kerns Schicksal nicht mehr los. 14 Jahre sind seitdem vergangen. Kern ist mittlerweile verstorben, und Maier, 25, hat eine preisgekrönte Bachelor-Arbeit über das Schicksal der Kindertransport-Kinder geschrieben, für die sie kreuz und quer durch die USA gereist ist. Jetzt sitzt sie an ihrer Master-Arbeit über Kern. Die Biografie stehe beispielhaft für die bislang kaum beachteten Kindertransporte nicht nach Großbritannien, sondern nach Frankreich, sagt sie. Ende 2018 soll die Arbeit auch als Buch erscheinen.

SZ Lehrstuhl


Erschienen in: Süddeutsche Zeitung (Juli 2017)

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